Patientenverfügung professionell begleiten:
ACP-Workshop des Ambulanten Ethikkomitees

„Sie haben ihre Patientenverfügung selbst gemacht? Ohne Hilfe bzw. fachkundige Beratung?“ Prof. Dr. Jürgen in der Schmitten nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt ganz deutlich was er meint: „Dann können sie die Verfügung auch gleich wegschmeißen.“ In der Schmitten ist Allgemeinarzt, Psychotherapeut und Palliativmediziner - und Protagonist von „Advance Care Planning" (ACP = gesundheitliche Vorausplanung). Er war gerade zu Gast bei einem Intensiv-Workshop des Ambulanten Ethikkomitees in Bochum (AEB).

Bei ACP geht es um die Etablierung eines professionell begleiteten Kommunikationsprozesses, der Menschen bei der Entwicklung ihrer individuellen Patientenverfügung unterstützt. „Das kann in der Tat kaum jemand allein“ sagt die Bochumer Palliativmedizinerin Dr. Birgitta Behringer, Sprecherin des AEB. Behringer und das Komitee haben im Gesundheitszentrum Bochum an der Bergstraße gerade mit knapp zehn Kursteilnehmern – gefördert von den Bochumer Stadtwerken - die letzte Einheit einer Ausbildungsmaßnahme abgeschlossen, die Menschen aus dem Gesundheitswesen dazu befähigt, diesen wichtigen Kommunikationsprozess kompetent zu begleiten

„Mancher Verfasser einer Patientenverfügung, z.B. im Altenheim, hat die Formulierungen und/oder deren Konsequenzen nicht verstanden oder kann sich nicht artikulieren“, sagt Kursteilnehmerin Dorothee Henzler aus den Augusta Kliniken. „Dann sind die Verfügungen nichts wert und können evtl. nicht beachtet werden.“ Viele führende deutsche Köpfe sind für Gesetzesänderungen, für Anpassungen der Standardverfügungen – und natürlich vor allem für ACP mit dem professionell begleiteten Kommunikationsprozess, der in Australien und Neuseeland schon extrem gut funktioniert.

Stationäre und ambulante palliative Versorgung, sagt auch Prof. Dr. Dirk Behringer als Leiter des Onkologischen Zentrums Augusta und AEB-Mitstreiter, „sind in Bochum über die Zusammenarbeit des Palliativnetz Bochum e.V. mit unterschiedlichsten Institutionen bereits exzellent vernetzt. Auf dieser Ebene sind Therapieziele in den einzelnen Versorgungsstrukturen abgestimmt. Für die anderen Patienten – und das sind die meisten - gibt es aber bisher keine verbindlichen Regelungen.“

Und da will das Ethikkomitee mit ACP verstärkt ansetzen. Einige Mitarbeiter aus Bochumer Altenheimen waren bei dem höchst anspruchsvollen neuntägigen (!) Workshop dabei und haben nun – wie die anderen Teinehmer das notwendige Zertifikat für den professionell begleiteten Kommunikationsprozess von ACP. Weitere Kurse sind im Übrigen geplant.

info@ethikkomitee-bochum.de
www.ethikkomitee-bochum.de

Zur Info:
Neben seiner Praxis in Büderich, einem Stadtteil von Meerbusch bei Düsseldorf, ist Prof. in der Schmitten am Institut für Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf in Lehre und Forschung tätig. Und er arbeitet – im Sinne der Sache – auch als Autor: Gemeinsam mit Dr. theol. Michael Coors, Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG), Hannover, PD Dr. Ralf Jox, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin (LMU München) hat Prof. Dr. Jürgen in der Schmitten ein Standardwerk zu ACP herausgebracht, das die Vorgehensweise bei „normaler Patientenverfügung“ und ACP vergleicht und wertet.

„Advance Care Planning - Von der Patientenverfügung zur gesundheitlichen Vorausplanung“, Kohlhammer Verlag, 29,99 Euro





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